Hintergründe und Ursachen des Stotterns


Definition von Stottern

Stottern ist eine in erster Linie eine Störung des Redeflusses und kann sich auf verschiedenen Arten äußern: Blockaden, Wiederholungen oder Dehnungen in unterschiedlicher Intensität und Stärke. Im Moment des Sprechens weiß der Stotternde genau, was er sagen möchte, kann es jedoch nicht störungsfrei aussprechen. Und selbst eine im Endeffekt flüssige Aussprache kann von Angst oder Anstrengung begleitet sein und somit auch zur Symptomatik des Störungsbildes zählen, obwohl Außenstehende vielleicht nichts von der Herausforderung für den Stotternden in diesem Moment mitbekommen. Stottern kann abhängig von Gefühlslage oder Tagesform des betroffenen Menschen zwar schwanken, ist jedoch stets eine körperliche bedingte Sprechbehinderung.

Häufig entwickeln Stotternde so genannte sekundäre Symptome (Begleitsymptome), wie zum Beispiel Verkrampfungen der Gesichtsmuskulatur, auffällige Kopfbewegungen oder zusätzliche Körperverspannungen beim Sprechen. Nicht selten bilden sich auch Ängste vor Sprechsituationen aus.

Betroffene reagieren auf das eigene Stottern häufig mit Vermeidungsverhalten, von der Reduzierung sprachlicher Äußerungen bis hin zum totalen gesellschaftlichen Rückzug. Eine weitere Variante, Blocks zu umgehen, ist das so genannte Verschleiern, bei dem zum Beispiel Füllwörter genutzt werden oder in Sekundenschnelle „schwierige“ Wörter gegen flüssig aussprechbare Synonyme getauscht werden, damit der Gegenüber das Stottern nicht bemerkt. 

 

Beginn von Stottern

Oftmals zeigen sich erste Stotterereignisse ohne offensichtlichen Anlass im Alter zwischen zwei und fünf Jahren - selten noch später. Es ist nicht ungewöhnlich, dass das Kind zuvor bereits eine Zeit lang flüssig gesprochen hat. Bei fünf Prozent aller Kinder entwickeln sich zunächst Stotternsymptome wie Blocks oder Wiederholungen. Von diesen Kindern sprechen insgesamt 80% bis zur Pubertät aber wieder flüssig ohne bleibende sprachliche Einschränkungen. Es lässt sich bislang nicht prognostizieren, welche Kinder Unregelmäßigkeiten beim Sprechen wieder verlieren und bei welchen sie bestehen bleiben.

Generell beginnen ungefähr doppelt so viele Jungen wie Mädchen zu stottern. Insgesamt verlieren Mädchen ihre Sprechstörung häufiger wieder, wodurch das Verhältnis auf 5:1 anwächst. Stottern tritt in allen Kulturen und unabhängig von Erziehung und Umfeld auf. Es gibt 4.000 Jahre alte Schriftstücke, die von stotternden Menschen zeugen.

Man schätzt, dass ein im Erwachsenenalter ein Prozent der Weltbevölkerung stottert. Das sind in Deutschland circa 800.000 Menschen. Bei Erwachsenen verliert sich das Stottern nur noch in Ausnahmen vollständig.

 

Ursachen von Stottern

Bislang sind die Ursachen des Stotterns leider noch nicht ausreichend erforscht. Erklärungen von Laien hinsichtlich zu großer Nervosität, des Ringens um Aufmerksamkeit oder sogar negative Zusammenhänge mit der Intelligenz des Betroffenen, treffen jedoch nicht zu.

Der Großteil der stotternden Menschen hat vermutlich eine Veranlagung zum Stottern zu der dann auslösende und aufrechterhaltende Faktoren kommen. Stottern entsteht in einer Phase, in der sich das Kind körperlich, geistig, sprachlich sowie emotional und sehr schnell entwickelt. Hierbei können vielfältige Einflüsse aus dem körperlichen, psychischen, sozialen und sprachlichen Bereich bei der Entstehung der Sprechstörung eine Rolle spielen.

In der weiteren Entwicklung der Stottersymptomatik versucht das Kind mit zunehmender Anstrengung, Stottern zu vermeiden. Dabei können sich negative Gefühle und Einstellungen gegenüber dem Sprechen entwickeln. Negative und sich selbst verstärkende Spiralen aus Angst und Vermeidung sowie aus Überforderung und Frustration erhalten dann das Stottern aufrecht bzw. verstärken es noch weiter. Das Stottern automatisiert sich zunehmend und je weiter es sich verfestigt, desto schwerer ist es später zu verändern. 

Weiterführende Infos findest Du auf der Seite der BVSS unter diesem Link.